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Aufholen nach Corona – Unser Weg am Augustinianum

Eingestellt von: In: Schuljahr 2021/2022 01 Nov 2021 Kommentare: 0

Auch wenn Herbst und Winter mit steigenden Inzidenzen einhergehen können, gilt es für uns am Augustinianum, Schüler*innen sowie ihren unterrichtenden Lehrkräften einen weitestgehend normalen Schulbetrieb einzurichten. Dass dies nicht ohne Rückblick und Aufarbeitung der Auswirkungen seit der ersten Schulschließung im März 2020 gelingen kann, versteht sich von selbst: Der repräsentativen COPSY-Studie („Corona und Psyche“, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf) zufolge berichtet der überwiegende Teil der Kinder und Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren von Belastungen und benennt dafür als Ursachen u. a. den fehlenden Kontakt mit dem Freundeskreis, eine geminderte Lebensqualität und/oder Schwierigkeiten beim Lernen.

Wir am Augustinianum unterstützen unsere Schüler*innen grundsätzlich in den Bereichen des Fachlichen, Sozialen und Individuellen Lernens. Gestützt auf diese drei Säulen möchten wir nun mit Blick auf die coronabedingten Defizite gezielt fördern – parallel zu den Anforderungen des regulären Schuljahres. Bei unseren Planungen müssen wir davon ausgehen, dass sich die Entwicklung von Maßnahmen und Strategien über einen langen Zeitraum erstrecken und sich auf erst allmählich einstellende Beobachtungen und Erkenntnisse stützen wird.

Die erste und wesentliche Voraussetzung für das Gelingen von Unterstützungsmaßnahmen ist für uns die direkte und vertrauensvolle Kommunikation zwischen Schule und Familie. Eltern oder Schüler*innen nehmen den Kontakt zu den Lehrer*innen in der Schule auf, wenn sie den Eindruck haben, dass sie Unterstützung benötigen oder Förderbedarf haben. Fachlehrer*innen, die Klassenleitung/Jahrgangsstufenleitung, das Team der Beratungslehrer*innen und die Schulleitung sind auf die Beratung eingestellt. Wir können hinsichtlich schulischer Unterstützungsmaßnahmen beraten, aber auch zu externen Unterstützungsangeboten vermitteln. Umgekehrt nehmen auch wir Kontakt zu den Familien auf, wenn wir einen Unterstützungs- und Förderbedarf erkennen.

Zu Beginn des Schuljahres hat die Schule im Rahmen der Schulpflegschaftssitzungen bereits über jahrgangsstufenspezifische Besonderheiten informiert und Ansprechpartner*innen benannt. Die Präsentationen zu diesen Schulpflegschaftssitzungen wurden (über die Klassenpflegschaftsvorsitzenden) an die Eltern verteilt.

UNSERE FÖRDERMAßNAHMEN AM AUGUSTINIANUM

// Fachliches Lernen

 Durch den Unterricht erhalten die Schüler*innen eine professionelle fachliche Unterstützung, die auch Unsicherheiten und Schwierigkeiten im sozialen Bereich vorbeugen kann.

Auch wenn die Priorität im August zunächst auf dem Wiederankommen in der Schule und einem Lernen ohne Druck lag, haben wir das Fachliche Lernen nicht vernachlässigt und diszipliniert wieder aufgenommen, um den fachlichen und methodischen Anforderungen innerhalb der verschiedenen Klassenstufen bis zum Schuljahresende gerecht werden zu können. Innerhalb der Fachkonferenzen und an Studientagen haben sich alle Fachlehrkräfte auf Diagnosemöglichkeiten und Unterrichtsvorhaben unter den aktuellen Bedingungen des Schuljahres verständigt. Dabei sind innerhalb der Aufgabenfelder, Fachschaften aber auch Jahrgangsstufenteams unterschiedliche Formate entstanden, seien es Testungen, Vergleichs-Klassenarbeiten auf Jahrgangsstufenebene oder individuelle Rückmeldungen an Schüler*innen zu bestimmten Lernbereichen. Ebenso wurden Vereinbarungen getroffen, welche Inhalte in welcher Form nachgeholt, wiederholt, gestrafft oder verändert im Unterricht behandelt werden sollen.

Zur Sicherstellung des Fachlichen Lernens haben wir trotz personeller Engpässe den Unterricht ungekürzt erteilen können und, wo immer dies möglich war, zusätzliche Kurse eingerichtet, damit Unterricht in möglichst kleinen Lerngruppen stattfinden kann. In der Oberstufe haben wir zudem eine große Bandbreite von Leistungskursen mit teils unter zehn Kursteilnehmer*innen eingerichtet. Hier ging es darum, die Neigungen und Interessen aller Schüler*innen zu berücksichtigen, die ihre Laufbahn in der Oberstufe ohne die kontinuierliche Erfahrung von Fachunterricht und Fachmethodik der jeweiligen Fächer planen mussten.

Neben der psychosozialen Beratung kann für Schüler*innen auch eine Laufbahnberatung und ein Lerncoaching stattfinden, wenn das Fachliche Lernen z. B. durch eine mangelnde Selbstorganisation oder Selbstmotivation beeinträchtigt wird.

Ansprechpartner*innen für den Bereich des Fachlichen Lernens sind grundsätzlich alle Lehrer*innen. Die drei Aufgabenfelder werden von Frau Sieger (Bereich Naturwissenschaften), Herrn Dr. Faber (Bereich Gesellschaftswissenschaften) und Herrn Hohmann (Bereich Sprachen) koordiniert. Die Jahrgangsstufenkoordination liegt in den Händen von Herrn Haveresch (Erprobungsstufe), Frau Löhr (Mittelstufe) sowie Frau Tenberge (Oberstufe).

// Soziales Lernen

Wir gehen davon aus, dass bei regulärem Unterrichtsbetrieb ritualisierte Strukturen und Gewohnheiten zurückkehren, die allein schon eine, wenn nicht die wichtigste Unterstützung darstellen. Der Unterricht im Klassen- und Kursverband ermöglicht einen vertrauten Rahmen für den Austausch von Gefühlen und Erlebnissen, gibt eine feste Tages- und Wochenstruktur und schafft im guten Fall Gemeinschaft und Verbundenheit.

In der ersten Schulkonferenz dieses Schuljahres haben sich die Mitglieder in Dreierteams (jeweils ein*e Schüler*in, ein Elternteil, eine Lehrkraft) intensiv ausgetauscht, wo aus ihrer Sicht Bedürfnisse und Bedarfe bestehen. Ein Befund lautete, dass die sog. mental health, also das Wohlbefinden (auch) in der Schule, aktuell ein zentrales Thema für viele Kinder und Jugendliche darstellt und künftig höhere Priorität genießen sollte. Schule soll ein safe space sein, in dem sich möglichst jede*r sicher fühlen soll, in dem Gemeinschaft gelebt werden kann und Achtsamkeit für Mitmenschen im Vordergrund steht.

Vor diesem Hintergrund sind wir zunächst erleichtert, dass ab August alle Fahrten und Wandertage wie geplant stattgefunden haben: Die neuen 5er konnten sich in Tecklenburg beschnuppern; bei den 7er-Fahrten richtete sich der Fokus im Rahmen des pädagogischen Begleitprogramms besonders auf das Soziale Lernen; die 8er tummelten sich (wenn schon nicht in England) auf Sylt; den 9ern wurde als Mini-Trostpflaster zumindest ein Extra-Wandertag eingerichtet, dasselbe gilt für die EF; die Q2 schließlich durfte sich auf Studienfahrt begeben, für viele Abiturient*innen rückblickend eine der Hauptattraktionen der gesamten Schulzeit. Für weitere anstehende Austausche und Exkursionen laufen die Planungen, trotz Brexit hoffen wir auf eine erfolgreiche Wiederaufnahme der Hastings-Tour. Über die genannten Fahrten hinaus finden traditionelle Aktionstage im Sinne des Sozialen Lernens statt, die von Frau Schemmelmann und Herrn Kreth organisiert werden (etwa das FairMobil in Klasse 6).

Hilfreich für uns als Schule sind die finanziellen Mittel unter dem Schlagwort Extra Geld aus dem NRW-Landesprogramm Ankommen und Aufholen, das bis 2022 angesetzt ist. Hier laufen aktuell diverse Überlegungen, u. a. in Richtung schulformübergreifender Initiativen gemeinsam mit der Stadt Greven als Schulträger. Wir halten es für sinnvoll, statt Schnellschüssen auf fundierte, längerfristige und vernetzte Formate zu setzen.

Ansprechpartner*innen für den Bereich des Sozialen Lernens sind:

Die drei Jahrgangsstufenkoordinationen (s. o., Herr Haveresch, Frau Löhr, Frau Tenberge), die Beratungslehrer*innen für die psychosoziale Beratung (Frau S. Schulz, Herr Tarvenkorn) sowie Frau Schemmelmann und Herr Kreth.

// Individuelles Lernen

Im Bereich des Individuellen Lernens als der dritten Säule nutzen wir schon immer alle uns zustehenden Ergänzungsstunden als Stunden für unsere Profile sowie für individuell ausgerichtete Förderangebote. Unsere Augustinus-Stunde, bereits seit einigen Jahren als modularisierte Förder- und Forderschiene donnerstags in der 5. Stunde etabliert, wird jetzt ausgebaut und für den individuellen Lückenschluss in den Jahrgangsstufen 6 bis 9 genutzt. Dazu wurde das Projekt LINDA (Lückenschluss in der Augustinussstunde) ins Leben gerufen, das von Herrn Warnecke zusammen mit dem Team der Augustinusstunde (Frau Rösel und Herr Oertel) betreut wird. Die Priorität liegt darauf, Grundlagen und Anschlüsse in den Kernfächern für diejenigen zu sichern, bei denen im Lauf der vergangenen 1,5 Jahre Defizite entstanden sind. Bereits zum Ende des vergangenen Schuljahres wurden deshalb gezielt Bedarfe für die Teilnahme an Trainingsgruppen im ersten Quartal dieses Schuljahres ermittelt, sodass diese kurz nach Schuljahresbeginn starten konnten. Für das zweite Quartal wird das Angebot an Trainingsgruppen trotz weiterhin knapper personeller Ressourcen etwas erweitert und kann nun über IServ angewählt werden.

In der Oberstufe wurde das Pilotprojekt LINDA-Vorlesungen ins Leben gerufen.

An verschiedenen Donnerstagen (5. Stunde) im zweiten Quartal werden den Schüler*innen der Q1 und Q2 einstündige Impulse („Vorlesungen“) aus allen drei Aufgabenfeldern angeboten, die das Ziel haben, fachliche Defizite aus dem letzten Schuljahr aufzuarbeiten. Dazu werden beide Stufen donnerstags in der fünften Stunde geblockt. Jede*r Schüler*in kann für mehrere Donnerstage jeweils eine Vorlesung auswählen, von der sie/er sich am meisten für das individuelle Schließen von Wissens- und methodischen Lücken verspricht. Das gesamte Angebot im Einzelnen samt verantwortlicher Lehrkraft ist den Schüler*innen der Q1 und Q2 bereits veröffentlicht und die zugehörige Wahl in IServ freigeschaltet worden.

UNTERSTÜTZUNG DURCH PROGRAMME DES BUNDES UND LANDES NRW

Neben den o. g. Bestrebungen unserer Schule, die Auswirkungen der Pandemie zumindest abzuschwächen, haben Bund und das Land NRW für die Jahre 2021 und 2022 verschiedene Programme verabschiedet, um die Schulen bei der Aufarbeitung von coronabedingten Defiziten zu unterstützen:

Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche, (https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/corona-pandemie/aufholen-nach-corona) sowie Ankommen und Aufholen, https://www.schulministerium.nrw/ankommen-aufholen)

 Wir können derzeit leider nicht davon ausgehen, dass wir an der Schule mit zusätzlicher personeller Verstärkung durch die Einstellung zusätzlicher Lehrer*innen oder sozialpädagogischen Personals rechnen können. Durch unseren begünstigten Standort und den damit verbundenen sehr hohen Schulsozialindex unserer Schule (das Augustinianum hat den Schulsozialindex 1 von 9, https://www.schulministerium.nrw/sozialindex) müssen wir akzeptieren, dass zusätzliche personelle Ressourcen an anderen Standorten und Schulformen priorisiert benötigt werden.

Auf den Baustein Extra Geld des Landesprogramms Ankommen und Aufholen(https://www.schulministerium.nrw/extra-geld) wurde bereits im Abschnitt zum Sozialen Lernen eingegangen. Das zugewiesene Budget für unsere Schule lassen wir noch ein wenig ruhen und nutzen es gezielt bis Ende 2022 in Abstimmung mit den schulischen Gremien und der Stadt als Schulträger. Die Gespräche dazu beginnen im November.

Wir nutzen zudem die Landesförderung für das Projekt EinS-zWo der Universität Münster(https://www.bezreg-muenster.de/de/presse/2021/2021-07-06_feller_gebauer/index.html).  Studierende, die am Augustinianum ihr Praxissemester absolvieren, bieten Sport- und Bewegungsprogramme für Schüler*innen der Erprobungsstufe und Mittelstufe an. Diese Angebote sind an das Arbeitsgemeinschaftsprogramm am Nachmittag angegliedert, das bei uns in Kooperation mit der Abenteuerkiste e. V. stattfindet.

Uns ist bewusst, dass wir an dieser Stelle nicht alle Initiativen und Maßnahmen ausführlich erläutern können. Wir fokussieren uns mit diesem Überblick auf unsere wesentlichen Planungsentscheidungen. Wenn Sie Informationen auf dieser Seite vermissen, Fragen haben oder uns mit Ihrer Expertise unterstützen können, melden Sie sich bitte bei uns!

Das Dokument „Aufholen nach Corona – Unser Weg am Augustinianum“ steht auch als pdf zum Download bereit [hier klicken].

Für die Schulleitung und das Kollegium

Andreas Henke
Schulleiter